ANALYSE:
I. Allgemeines.
II. Mostanalyse.
III. Weinanalyse.
I. Allgemeines: Im Bereich der KELLERWIRTSCHAFT ist eine ständige Beobachtg. des Mosts (MOST) bzw. des Weins (WEIN) notwendig, um bei neg. Veränderungen (KRANKHEIT) schnell reagieren zu können. Hierzu ist die Analyse, d.h. die Untersuchg. v. Most- od. Weinproben, die früher tw. in der Apotheke erfolgte, notwendig.- II. Mostanalyse: Zur Bestimmg. des Mostgewichts (sondieren, spindeln, wiegen), das über die in der Mostflüssigkeit gelösten Stoffe, wie z.B. Zucker (Zuckerstoff), Säuren, Stickstoffverbindungen, Mineralstoffe, die schwerer als Wasser sind, Auskunft gibt, wurden v. den GWP vor allem die Oechslewaage (Oechsle, Oechslemostwaage, Oechslethermometer, Oechslewaage, Gradus), die Klosterneuburger Mostwaage (Klosterneuburg, Klosterneuburger, Klosterneuburger Mostwaage, Klosterneuburger Waage, Klosterneuburgische Mostwaage, Neuburger, Mostwaage Klosterneuburg) u. die Wagner-Waage (Wagner, Wagnerische Mostwaage, Wagnerische Waage, Wagner-Mostwaage, Wagner-Waage, Wagnerprobe, Mostprobe Wagner) verwendet. Die Oechslewaage wurde in RHEINHESSEN auch "die Guck" genannt (frdl. Hinw. v. Wolfgang Betz, Mainz). Das Verhältnis v. der "Klosterneuburger" zur Oechslewaage beträgt lt. GWP aus Klöchberg (STEIERMARK) genau 1:5. Dies ist aber wohl nur ein Schätzwert, denn Arthold 1950, 94 gibt zur Umrechng. folg. Bsp. an: 18 Grad Klosterneuburg = 18x4,7 = 85 Grad Oechsle. Bei den Mostwaagen handelt es sich um Senkwaagen od. Dichtespindeln, die aus einem Schwimmkörper u. einer oben zugeschmolzenen Glasröhre mit eingelassener Skala bestehen. Sie sinken umso weniger tief ein, je zuckerreicher der Most ist. In DEUTSCHLAND u. der SCHWEIZ wird das Mostgewicht, also die Zahl, die angibt, um wieviel Gramm 1 Liter Most schwerer ist als 1 Liter Wasser bei 20 Grad Celsius, in Grad Oechsle (Oechslegrad, Grad Oechsle, Oechslegewicht) angegeben, benannt nach Ferdinand Oechsle (1774-1852), v. dem der Vorschlag für die Maß-Skala stammt. In ÖSTERREICH wird das Mostgewicht dagegen vorzugsweise nach der Klosterneuburger Skala in Grad Klosterneuburger gemessen. Beim Refraktometer (Handrefraktometer, Akrometer), der aus Okular, langem Fernrohr, Prisma u. Deckel besteht, erfolgt dagegen die Bestimmg. auf optischem Wege: 1-2 Tropfen Saft/Most werden auf das Glasprisma gegeben, der Deckel zugeklappt u. das Gerät wie ein Fernrohr gegen das Licht gehalten. Während lt. GWP aus Pratteln (BASEL) für die Oechslewaage mind. 2dl an Most benötigt würden, reiche für den Spektrometer schon 1 Tropfen aus. Als Antw. auf die Frage nach dem 'Gerät zur Bestimmg. des Zuckergehalts im Most' gaben die GWP weitere Fachw. an, die tw. mit den o.g. Geräten id., tw. wegen fehlender Erl. jedoch nicht näher bestimmbar sind (Alkometer, Fokmerö, Gradierer (z.B. 23 od. 25 Grad, je nach Süße), Maischewaage, Mostkugel, Mostprobe, Mostwaage, Mustfokolo, Pendelwaage, Probe, Silberwaage, Spindel, Spill, Spille, Spindelwaage, Thermometer, Traubenwaage, Waage, Weinprobe, Weinstärkeprobeapparat, Weinwaage, Zuckermesser). Die GWP aus Contz-les-Bains/Niederkontz (LOTHRINGEN) verwendet Pèse-moût als Oberbegriff für die Oechslewaage u. die Mostwaage Gay-Lussac. Beim Saccharometer handelt es sich wohl um den Saccharometer nach Balling, der v. dem öst. Chemiker Karl Josef Napoleon Balling (1805-1868) eingeführt wurde u. auch Zuckerwaage genannt wird (vgl. Arthold 1950, 95; Claus u.a. 2009, 5). Einige GWP gaben auch an, dass früher kein spez. Gerät verwendet wurde, sondern der Zuckergehalt des Mosts mit Hilfe des Fingers (Grad der Klebrigkeit) bestimmt wurde.- III. Weinanalyse: Zur Entnahme einer Probe aus dem FASS wurde meist ein Schlauch od. der Weinheber (WEINPROBE) benutzt. Zur Messg. des Alkoholgehalts im Wein verwendete man in Mucsi/Mutsching (UNGARN) u. in Sivac/Neusiwatz (SERBIEN) die Malligandwaage bzw. Weinwaage nach Malligand, in Kimling (UNGARN) ein Gerät mit der aus dem Ung. entl. Bez. Sesfokolo. In Ligerz (BERN) wurde im Herbst nach dem Vergären (GÄRUNG) die Luftprobe, Lufts- durchgeführt: man schüttete den Wein in ein Glas u. ließ ihn 1/2, 1 od. 2 Stunden bzw. einen ganzen Tag lang auf einem Regal stehen, um zu sehen, ob er sich braun verfärbte. Trat dies ein, dann war er v. schlechter Qualität. In Langenlohnsheim (NAHE) bediente man sich nach dem 1. ABSTICH zur Feststellg. v. Schwefelmangel eines ähnl. Verfahrens, der Rahnprobe.- Lit. (tw. mit Abb.): Arthold 1950, 90ff.; Babo/Mach 1885/93, 935; Babo/Mach 1922, 2/2, 553ff.; Barth M. 1907; Dahlen 1878; dal Piaz 1878; Dannenberg 1905; Graeger 1873, 54ff.; Hachenberger 1987, 312; Jacob 1998, Kap. 12; Meißner [1920]; Müller K. 1930; Piaz 1900, 83ff.; Schätzlein 1951a, 16ff.; Schumann 1998, 145; Stefl 1914, 91ff.; Zweifler 1924, 190ff.- M.B.




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